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Schließlich gab es am Dienstagabend im mit 81.365 Zuschauern ausverkauften Dortmunder Stadion keinen schnöden Erfolg, gegründet auf taktische Cleverness und coole Effektivität, zu kommentieren, sondern eine hingebungsvolle Dortmunder Aufführung zu bestaunen, die nach der 1:2-Niederlage im Madrider Hinspiel in einen 4:2-Sieg des BVB mündete.

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Traumziel Wembley

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Der Bundesliga-Fünfte qualifizierte sich damit für die Runde der letzten Vier wie zuletzt vor elf Jahren und trifft dabei wie schon in den zwei Gruppenspielen des vorigen Jahrs am 1. oder 2. Mai in Dortmund auf die Stars von Paris Saint-Germain. Zuerst daheim und eine Woche später zum Rückspiel im Prinzenpark.

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Versteht sich, dass die Schwarz-Gelben wie anno 2013 nun aufs Neue das Traumziel Wembley-Stadion anvisieren, wo am 1. Juni das Finale steigt – womöglich wie damals gegen den FC Bayern München, der aber an diesem Mittwochabend (21.00 Uhr im F.A.Z.-Liveticker zur Champions League und bei DAZN) erst einmal wie Dortmund das Viertelfinale überstehen muss.

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Das Hinspiel gegen den FC Arsenal endete in London 2:2. Sollten sich die Münchner durchsetzen, träfen sie im Halbfinale auf einen der europäischen Giganten, Titelverteidiger Manchester City oder Rekordsieger Real Madrid.

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Zurück in die Gegenwart, zurück zu Borussia Dortmund, das sich und die BVB-Fans am Dienstagabend reich wie lange nicht und dazu mit einer furiosen Energieleistung bescherte. Nach der 2:0-Führung durch die Flachschüsse des starken Julian Brandt (34. Minute) und des niederländischen Außenverteidigers Ian Maatsen (39.) schienen die Zeichen schon auf Sieg gesetzt. Von wegen. Erst einmal galt es den Rückschlag nach der Pause durch Mats Hummels‘ Eigentor bei einem missglückten Rettungsversuch (49.) und den Ausgleichstreffer von Correa (64.) zum 2:2 zu verdauen.

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Völlig losgelöst: Dortmunds Marcel Sabitzer bejubelt seinen Treffer zum 4:2.
Completely distant: Dortmund's Marcel Sabitzer celebrates his goal to make it 4-2.AFP

Die Westfalen steckten die beiden Treffer der Madrilenen rasch weg und begriffen sie prompt als Ansporn, die Verhältnisse wieder zurechtzurücken. Was folgte, waren zwei Momente der Massenekstase, als Niclas Füllkrug nach einer zielführenden Flanke des überragenden Spielmachers Marcel Sabitzer per Kopf nach neun Pflichtspielen ohne Treffer das 3:2 erzielte (71.) und der österreichische Motoriker („wenn 80.000 hier das Stadion einreißen, willst du es miteinreißen“), der auch das 2:0 auf den Weg gebracht hatte, drei Minuten später mit einem prachtvollen Distanzschuss auf 4:2 erhöhte. Danach ging nichts mehr für den Tabellenvierten der spanischen Liga an diesem westfälischen Fußballfestabend.

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„Das Stadion hat gebrannt“

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Am Ende sangen sogar die Ultras auf der Stimmungshochburg Südtribüne das altdeutsche Siegerlied, „So ein Tag so wunderschön wie heute“. Alle Borussen, die über diesen Abend für die Dortmunder Geschichtsbücher redeten, schwärmten in den höchsten Tönen über eine Gala, die es in dieser verdichteten Form gegen einen renommierten Gegner lange nicht gegeben hat. Mittelstürmer Niclas Füllkrug zum Beispiel, ein cooler Norddeutscher, schwärmte: „Heute war es wirklich magisch. Das Stadion hat gebrannt.“

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Trainer Edin Terzic schwelgte im Glück darüber, dass seine Spieler „alles gezeigt“ hätten, „was es braucht, um ins Halbfinale einzuziehen“. Terzic, immer mal wieder angezweifelt und immer mal wieder um keine sportliche Antwort verlegen, war stolz wie Bolle auf seine Mannschaft, die in der Bundesliga punktgleich mit RB Leipzig nur auf Platz fünf liegt und hart darum kämpfen muss, sich auch für die nächste Champions-League-Runde in einem neuen Format zu qualifizieren.

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Um die Mannschaft um den französischen Superstar Antoine Griezmann zu besiegen, brauchte es vor allem ein unerschütterliches Selbstvertrauen auch in herausfordernden Spielabschnitten wie den ersten zwanzig Minuten nach der Pause. „Ohne Glaube wird das nicht funktionieren“, sagte Terzic und verwies auf die diesmal ungebrochene Zuversicht seines Teams, auch aus einer schwierigen Passage in diesem turbulenten Duell herauszufinden.

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„Wir haben direkt ein riesiges Ding liegen gelassen“, sagte er und erinnerte an die dritte Minute, als der da noch nicht auf Touren gekommene Sabitzer eine kapitale Gelegenheit zum Führungstreffer verschlampte, „und trotzdem eine extrem gute erste Halbzeit gespielt. Wir haben vier Tore gegen Atlético Madrid geschossen – das machen auch nicht viele.“

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Hingerissen wie Terzic war auch der Dortmunder Boss, Geschäftsführer Hans-Joachim Watzke, der an diesem Abend zum westfälischen Schwärmer wurde. „Das ist ein stolzer Tag für alle Borussen“, hob er hervor, „das war eine Achterbahnfahrt. So zurückzukehren, das muss man erst mal schaffen.“

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Wembley calling? Die Borussen werden klug genug sein, sich davor mit allem, was am Dienstag in Schwarz und Gelb funkelte, auf den deutsch-französischen Zweitteiler zu konzentrieren und dazu die finalen Bundesliga-Hausaufgaben frisch beschwingt in Angriff zu nehmen. „Das Finale“, sagte Terzic am späten Dienstagabend frohgemut, „musst du dir verdienen. Es sind zwei Spiele bis dahin. Und wenn man schon mal da ist, macht es Sinn, ums Finale zu kämpfen.“

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