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In Orsk, der am schwersten von der Flutkatastrophe in Russland betroffenen Stadt, widersprechen Recherchen unabhängiger Journalisten der offiziellen Darstellung. Angeblich waren bei den Überflutungen in der Stadt mit knapp 190.000 Einwohnern im Orenburger Gebiet keine Menschen umgekommen. So sagte es etwa Kata­strophen­schutzminister Alexandr Kurenkow am Montag und pries „Heldentaten“ seiner Leute in Orsk. Diesen „echten Profis“ sei es zu danken, dass trotz rasch steigenden Wassers keine Menschen getötet worden seien.

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Demgegenüber fanden Journalisten des exilrussischen Mediums „Waschnyje Istorii“ Namen und Adressen von mindestens fünf Opfern der Überflutungen. Der 65 Jahre alte Sergej Lapin habe eine Evakuierung abgelehnt und sei umgekommen. Eine Todesursache sei noch nicht offiziell angegeben worden, das solle erst in einem Monat erfolgen, klagte eine Verwandte; Unterkühlung werde nicht geschrieben, um keine Entschädigung zu zahlen und „die Bewohner nicht in Panik zu versetzen“.

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Aus Orsk wurde den Journalisten von drei weiteren Todesfällen durch die Flut berichtet, einer 82 Jahre alten Frau, eines 70 Jahre alten Mannes sowie des 57 Jahre alten Rustam Achmetow, der am 7. April vergebens auf die Evakuierung durch den Katastrophenschutz gewartet habe. Mindestens zwei weitere Orsker seien verschollen.

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Im Dorf Prigorodnyj nahe der Gebietshauptstadt Orenburg, die stromabwärts am Fluss Ural liegt, sei am 9. April der 51 Jahre alte Andrej Tschernyschow umgekommen, der seine Schweine und Ziegen habe retten wollen.

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Angeblich andere Todesursachen in vier Fällen

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In den ersten Tagen der Überflutung war von vier Toten in Orsk berichtet worden, doch die Stadtverwaltung wies eine Verbindung dazu zurück: Zwei Personen seien an Herzinfarkten gestorben, eine Person aus einem anderen natürlichen Grund, eine weitere durch Suizid. In Orsk war ein erst 2014 fertiggestellter Damm am 5. April gebrochen. Tausende Häuser wurden überflutet, viele stehen immer noch unter Wasser. Der Orsker Bürgermeister Wassilij Kosupiza hatte bis kurz vor dem Bruch beteuert, der Damm sei sicher.

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Überall Wasser: eine Luftaufnahme von Orsk am Wochenende
Water everywhere: Aerial view of Orsk over the weekendReuters

Am Montag berichtete die Stiftung zum Kampf gegen Korruption des Mitte Februar in russischer Haft gestorbenen Oppositionellen Alexej Nawalnyj, der Sohn Kosupizas habe im Oktober 2022, kurz nach der von Präsident Wladimir Putin im Ukrainekrieg angeordneten „Teilmobilmachung“, Russland mit seiner Familie gen Saudi-Arabien verlassen und vor etwa einem Monat eine umgerechnet wohl mehr als 330.000 Euro teure Wohnung in Dubai gekauft. Der Sohn hatte zuvor für ein Unternehmen des Ölsektors in Russlands Fernem Osten gearbeitet.

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Der Bürgermeister antwortete in einer Video­botschaft, sein Sohn, ein Ingenieur, habe zehn Jahre „unter schwersten Bedingungen“ auf der Insel Sachalin gearbeitet und sei dann nach Saudi-Arabien eingeladen worden, um dort zu arbeiten. „Übrigens ist es dort auch kein Honig, dort ist es sehr heiß und das Klima sehr schwierig.“

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Auch in Orenburg mussten mittlerweile zahlreiche Bewohner vor den Wassermassen in Sicherheit gebracht werden. Uralabwärts in Kasachstan sind durch die Überflutungen nach offiziellen Angaben mindestens vier Personen ums Leben gekommen. Über die Ufer getreten ist auch der Fluss Ischim. Auf kasachischer Seite sind etwa Teile der Stadt Petropawlowsk überflutet. Flussabwärts wurden im russischen Gebiet Tjumen am Dienstag dringliche Evakuierungen angeordnet, da der Wasserstand „kritisch“ sei und Dammbrüche drohten.

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