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Es ist das Pflaster, das beiden die (Radsport-)Welt bedeutet. Das Monument Paris-Roubaix, berühmt-berüchtigt für seine Pavé-Passagen, ist für John Degenkolb wie Jonas Rutsch das bedeutungsvollste Rennen des Jahres. Nun sind beide unsanft aufgeschlagen auf den nordfranzösischen Boden – mit ganz unterschiedlichen Auswirkungen: für die sogenannte „Königin der Klassiker“ und auch für das einzige deutsche Klassikerrennen Eschborn-Frankfurt.

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Der Odenwälder Rutsch musste am vorvergangenen Sonntag nach seinem Rennsturz schon nach 40 Kilometern aussteigen, ist aber für das Heimrennen am 1. Mai „definitiv wieder fit“, wie der Profi vom Team EF Education-EasyPost sagte. Degenkolb dagegen war bei einer Trainingsfahrt einen Tag vor Paris-Roubaix gestürzt, was ihn aber nicht von einem starken, von Platz elf gekrönten Auftritt in der sogenannten „Hölle des Nordens“ abhielt.

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Knie immer wieder dick

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Nur wird das vom Sturz und der Höchstbelastung lädierte Knie immer wieder dick, was einen Start des Oberurselers bei der Taunusschleife fraglich erscheinen lässt. Es wird ein Kampf gegen die Zeit für Degenkolb, weil aktuell an Radfahren nicht zu denken sei, er vor einem Rennen wie Eschborn-Frankfurt aber mindestens eine Woche im Sattel gesessen haben sollte, wie er sagte. „Nun ist das gefragt, in dem ich am schlechtesten bin: Geduld“, sagte der 35-Jährige. „Das ist mental nicht leicht. Zumal es ihm „sehr, sehr weh tun würde“, sollte er den Auftritt vor heimischem Publikum verpassen.

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Am 1. Mai 2011 hatte Degenkolb seine erste Sternstunde auf dem Rad erlebt – mit dem Sieg vor der Alten Oper in Frankfurt. Einige weitere, unter anderem der Triumph bei Paris-Roubaix 2015, sollten folgen. Und doch liegen für die Profis oft Welten in den meist etwa zwei Wochen zwischen Roubaix und Rhein-Main. Weil viele nach ihrer Klassiker-Kampagne in eine Pause gehen, andere auf dem Sprung zum kurz darauf beginnenden Giro d’Italia sind.

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Und so fallen die Prognosen schwer, wer die Favoriten sind für den Gewinn des ersten deutschen Rennens des Jahres mit WorldTour-Status: Titelverteidiger Sören Kragh Andersen vom in diesem Frühjahr dominanten Team Alpecin-Deceunink steht beispielsweise auf der vorläufigen Starterliste, auch für den Schweizer Marc Hirschi (Team UAE) ist der schwere, 203,8 Kilometer lange Kurs samt zweimaliger Feldberg-Überquerung prädestiniert.

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Rennen boomt

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Sicher ist dagegen, dass die seit 1962 ausgetragene Traditionsveranstaltung derzeit einen echten Boom erlebt. Das beginnt beim gewachsenen Prestige im Peloton, dass zu 14 Anmeldungen von WorldTour-Teams führte (Rekord) – insgesamt sind 17 Mannschaften am Start, die im Sommer auch die Tour de France fahren werden.

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Das führt über gestiegenes Sponsoreninteresse und endet beim regelrechten Ansturm der Hobbyfahrer. Die Organisatoren erwarten, dass bei der Velo-Tour, dem Jedermannrennen im Rahmen des Events, die Maximalteilnehmerzahl von 10.000 erreicht wird. Im Vorjahr waren die Zahlen schon auf den damaligen Rekordwert von 8.000 hochgeschossen. Zum Vergleich: 2015 machten sich nur 5000 Amateurfahrer auf ihre Taunusschleifen.

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Unfälle machen Sorge

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So richtig erklären können sich die Organisatoren den immensen Zulauf nicht. Sie sind auch damit beschäftigt, die logistische Aufgabe zu bewältigen, die Tausende Radler – mitunter sind die Felder der Profis, U 23 und Velo-Tour parallel unterwegs – so zwischen Frankfurt, Taunus und Eschborn zu lotsen, dass es keine Auffahrunfälle gibt.

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Unfälle innerhalb des Profipelotons gab es in diesem Frühjahr genug. Mit namhaften Opfern. Aktuell fallen allein die Superstars Vingegaard, Roglic, Evenepoel und van Aert mit Sturzverletzungen aus. Ein Umstand, den Rutsch eher weniger an der im Radsport viel diskutierten Sicherheit der Strecken festmacht. „Die Fahrer machen den Unterschied“, sagt der Erbacher. „Es wird viel mehr an unnötigen Stellen Risiko eingegangen, um sich ein paar Positionen nach vorne zu mogeln.“

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Rutsch begründet dies mit dem „verdammt hohen Niveau“ so vieler Rennfahrer, wodurch es für viele schwer sei, Topergebnisse zu erzielen. Auch Degenkolb bestätigt aus seiner nunmehr 14-jährigen Erfahrung als Berufsfahrer, dass zunehmend „enger, schneller und aggressiver“ gefahren werde.

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„Das hat zum einen mit der Risikobereitschaft, zum anderen mit dem Material zu tun, weil die Fahrräder immer schneller werden.“ Der Radsport knockt zunehmend seine besten Fahrer und berühmtesten Gesichter quasi selbst aus. Routinier Degenkolb plädiert wie andere in der Szene für ein Forum aus Weltverband, Rennveranstaltern, Teams und Fahrern, um klare Regeln zu entwickeln, „die dann auch wirklich alle einhalten“.

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