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Geschwindigkeitsbegrenzungen sind in der Regel nicht nur ein gut gemeinter Vorschlag. In vielen Bundesländern führt die Polizei vom 15. bis 19. April bei Temposündern verstärkt Radarkontrollen durch. Nur Berlin, Bremen, Niedersachsen, das Saarland und Sachsen nehmen an der Aktionswoche nicht teil. Ihren Höhepunkt erreicht die sogenannte Speed Week in Hessen, Thüringen, Bayern und Brandenburg am Freitag mit besonders intensiven Kontrollen von früh bis spät.

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Gerade an einem solchen Schwerpunkttag greifen einige Autofahrer zum Handy, um sich per Blitzer-App vor möglichen Bußgeldern zu schützen. Die Anwendungen hören auf klangvolle Namen wie Ooono, Waze oder Radardroid und locken mit dem Versprechen, etwa per Piepton vor sich auf der Strecke befindlichen mobilen oder festen Radarfallen zu warnen. Aber ist ihr Gebrauch auf deutschen Straßen legal?

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Sind Blitzer-Apps während der Fahrt erlaubt?

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Darauf gibt es eine klare Antwort: Nein. Dazu reicht ein Blick in die Straßenverkehrsordnung:

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Wer ein Fahrzeug führt, darf ein technisches Gerät nicht betreiben oder betriebsbereit mitführen, das dafür bestimmt ist, Verkehrsüberwachungsmaßnahmen anzuzeigen oder zu stören. Das gilt insbesondere für Geräte zur Störung oder Anzeige von Geschwindigkeitsmessungen. Bei anderen technischen Geräten, die neben anderen Nutzungszwecken auch zur Anzeige oder Störung von Verkehrsüberwachungsmaßnahmen verwendet werden können, dürfen die entsprechenden Gerätefunktionen nicht verwendet werden. (Straßenverkehrsordnung Paragraph 23 Abschnitt 1c)

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Auf Normaldeutsch heißt das: Alles, was vor Blitzern und Ähnlichem warnt (oder sie gar stört), darf während der Fahrt nicht benutzt werden. Der letzte Satz der StVO schließt somit auch den Gebrauch von Blitzerwarnfunktionen aus, die in Navis eingebaut sind.

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Darf der Beifahrer eine Blitzer-App verwenden?

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Nun könnte man auf die Idee kommen, das Handy mit der Blitzer-App einfach dem Beifahrer zu überreichen. Der könnte die Warnung dann schließlich einfach weitergeben. Doch zu früh gefreut: Nach einem Urteil des Oberlandesgerichts Karlsruhe von Februar 2023 ist auch dies nicht legal: Ein anderer Fahrzeuginsasse dürfe nicht mit Billigung des Fahrers eine App auf dem Handy geöffnet haben, die vor Verkehrsüberwachungsmaßnahmen warnt. Der Beifahrertrick zieht also nicht.

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124 statt 80 km/h: Eine Radarfalle blitzt bei einem Speedmarathon in Hessen 2022 einen Raser.
124 instead of 80 km/h: A speed trap catches a speeder at the 2022 Hessen speed marathon.dpa

Welche Strafen gibt es für Blitzer-Apps?

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Wer unterwegs beim Gebrauch einer Blitzer-App erwischt wird, muss mit einer Geldstrafe in Höhe von 75 Euro rechnen. Obendrein gibt es einen Punkt in Flensburg.

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Welche Alternativen gibt es zu Blitzer-Apps?

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Nun wird es interessant: Denn die StVO verbietet zwar den Gebrauch von Radarwarnern während der Fahrt – nicht aber den Vorab-Check zu Hause. Wer also die Route vor Fahrtantritt in der Blitzer-App auf mögliche Kontrollen kontrolliert, tut dies auf ganz legale Weise – muss die Standorte dann aber natürlich im Kopf behalten.

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Auch das Radio kann hier als Lösungsoption auftrumpfen. Die Meldung von Blitzern im Sendegebiet gehört zum Standardrepertoire vieler Nachrichtensendungen. Ganz legal, denn: Den ungefähren Standort eines Blitzers zu erfahren ist erlaubt. Aber eben nicht den auf den Meter genauen. Zudem erfolgen die Warnungen im Radio, anders als in einer entsprechenden App, unabhängig vom eigenen Standort.

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Wo sind Blitzer-Apps im Ausland erlaubt?

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Europaweit gibt es keine einheitliche Regelung zum Gebrauch von Radarwarnern. In vielen Ländern besteht zwar wie in Deutschland ein Benutzungsverbot, mitgeführt werden dürfen sie mancherorts aber trotzdem, auch das Strafmaß unterscheidet sich zum Teil deutlich. Ein Blick auf unsere Nachbarländer: In Frankreich können Autofahrer mit einem Bußgeld von bis zu 1500 Euro rechnen, wenn sie ein Radarwarngerät (egal welcher Form) mitführen oder nutzen. Auch in der Schweiz sind Raser mit Blitzer-Apps oder Navis mit Warnfunktion schlecht beraten, das Gerät wird eingezogen (und vernichtet), zudem droht eine Geld- oder sogar Haftstrafe. Und auch in Polen, Belgien und Luxemburg kann die Verwendung eines Radarwarners sehr teuer werden. Die einzige Ausnahme bildet Österreich: Hier sind Blitzer-Apps erlaubt, Radarwarngeräte, die Kontrollpunkte stören, jedoch nicht.

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Einen ausführlichen Überblick bietet der ADAC.

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Letztlich gilt aber: Am sichersten fährt, wer sich an die Geschwindigkeitsbegrenzung hält. Wer unsicher ist, welches Tempo zuletzt ausgeschildert wurde, dem kann oft ein Blick auf das Navigationsgerät helfen: Viele Geräte zeigen an, wie viele Stundenkilometer gerade erlaubt sind.

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