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Wenige Stunden nach dem mutmaßlich israelischen Angriff am frühen Freitagmorgen, der offenbar auf eine Luftwaffenbasis nahe Isfahan zielte, schien Iran Entwarnung zu geben. Armeechef Sayyed Abdolrahim Mousavi sagte, „dank unserer Wachsamkeit wurden mehrere Flugobjekte beschossen“. Das sei der Grund für die Explosionen gewesen, die am frühen Morgen aus der Stadt Isfahan gemeldet wurden.

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Auf die Frage, wie Iran auf den Angriff reagieren werde, sagte er: „Sie haben Irans Reaktion bereits gesehen.“ Der Eindruck, dass Iran auf eine Vergeltung verzichten könnte, wurde noch dadurch verstärkt, dass kein iranischer Sprecher die Ereignisse der Nacht mit Israel in Verbindung brachte und die Staatsmedien die Bedeutung des Angriff herunterspielten.

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Passagiere am Flughafen von Isfahan hatten mindestens drei Explosionen gehört. Die Zeitung „New York Times“ zitierte iranische Quellen mit der Aussage, ein nahe gelegener Stützpunkt der Luftwaffe sei getroffen worden. Dabei handelt es sich wohl um die 8. Shekari-Luftwaffenbasis unmittelbar neben dem zivilen Flughafen. Die Zeitung „Jerusalem Post“ berichtete ohne Angabe von Quellen, sie habe „bestätigt“ bekommen, dass ein Langstrecken-Flugzeug Raketen auf iranische Luftwaffenanlagen abgefeuert und getroffen habe.

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Dort ist Irans Flotte an alternden Kampfflugzeugen vom Typ F-14 Tomcats stationiert. Sie wurden vor der Islamischen Revolution noch zu Zeiten des Schahs in den Siebzigerjahren von den Vereinigten Staaten an Iran geliefert. Der Armeechef bestritt, dass die Luftwaffenbasis getroffen wurde. Bei dem „Vorfall“ sei kein Schaden entstanden.

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Angriff aus dem inneren des Landes?

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Auch aus Täbris im Nordwesten des Landes wurde der Abschuss von „Multicoptern“ gemeldet. Schon in der Vergangenheit hat der israelische Geheimdienst Mossad mutmaßlich solche kleinen Drohnen eingesetzt, um militärische Anlagen in Iran anzugreifen. Solche Attacken wurden im Januar 2023 auf eine Rüstungsfabrik in Isfahan, im Mai 2022 auf den Militärstützpunkt in Parchin nahe Teheran und im Februar 2022 auf eine Drohnenfabrik in Kermanshah gemeldet. Von der Reichweite her können solche Flugobjekte wohl nur von innerhalb Irans oder aus dem irakischen Grenzgebiet gesteuert werden.

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Eine vorläufige Deutung des Angriffs ist deshalb, dass Israel unterstreichen wollte, zu welchen Schlägen es in Iran in der Lage sei. In diesem Sinne äußerte sich auch ein namentlich nicht genannter Vertreter Israels, den die Zeitung „Washington Post“ zitierte: Der Angriff sollte Iran demnach „signalisieren, dass Israel die Möglichkeit hat, innerhalb des Landes zuzuschlagen“.

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Dass die Explosionen sich am Freitagmorgen ausgerechnet in der Stadt Isfahan ereigneten, ließ aufhorchen. Dort befindet sich Irans größtes Atomforschungszentrum, in dem Tausende Ingenieure beschäftigt sind. Seit Februar wird dort ein neuer Forschungsreaktor gebaut. In Täbris, wo ebenfalls kleine Drohnen abgeschossen wurden, befindet sich eine unterirdische Raketenbasis. Unmittelbar nach den ersten Meldungen über die Explosionen verkündeten Staatsmedien, dass die Nuklearanlagen unversehrt seien.

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Die Internationale Atomenergiebehörde (IAEA) bestätige, dass es keine Schäden an Irans Atomanlagen gebe. Generaldirektor Rafael Grossi rief „weiterhin zur äußersten Zurückhaltung aller Beteiligten“ auf. Er bekräftigte, dass kerntechnische Anlagen niemals Ziel militärischer Konflikte sein sollten.

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Tagelang war darüber spekuliert worden, wie Israel auf den iranischen Großangriff in der Nacht zum Sonntag reagieren würde. Ranghohe Vertreter von Regierung und Armee haben seither erkennen lassen, dass sie die Attacke nicht unbeantwortet lassen wollen. Sie ließen aber offen, in welcher Form und in welchem Ausmaß. Aus Regierungskreisen hieß es, dass Vergeltung geübt werden solle, ohne einen großen, regionalen Krieg zu provozieren; zudem wolle man sich mit den Vereinigten Staaten abstimmen.

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USA lehnen Einmarsch in Rafah weiterhin ab

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Am Donnerstag hatten Vertreter Israels einem Bericht der Nachrichtenagentur Bloomberg zufolge amerikanischen Gesprächspartnern mitgeteilt, dass es binnen der nächsten 24 bis 48 Stunden einen Angriff auf Iran geben werde. Ministerpräsident Benjamin Netanjahu traf am Donnerstagabend die Spitzen des Inlands- und des Auslandsgeheimdienstes. In seinen öffentlichen Bemerkungen im Mossad-Hauptquartier äußerte er sich nicht direkt zu dem iranischen Angriff des vergangenen Wochenendes oder zu möglichen Reaktionen. Mit Blick auf das bevorstehende Pessach-Fest sagte er lediglich, dass dieser Feiertag anders sei. „Sie haben sich erhoben, um uns zu vernichten“, äußerte Netanjahu und bezog sich dabei auf die iranische Rhetorik. „Das ist sehr greifbar, durch die Achse des Bösen Irans und seiner Stellvertreter, einschließlich der Hamas.“

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Einen unbestätigten Zusammenhang gibt es zudem zwischen den Konfliktfeldern Iran und Gazastreifen. Medienberichten zufolge soll die amerikanische Regierung ihre Einwilligung erteilt haben, dass die israelische Armee die seit Langem angekündigte – und von Washington wiederholt abgelehnte – Bodenoffensive in der Stadt Rafah durchführt. Im Gegenzug soll Israel versprochen haben, auf einen massiven Militärschlag in Iran zu verzichten. Das amerikanische Außenministerium schien am Freitag bestrebt, dies zurückzuweisen.

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Das iranische Fernsehen zeigt am Freitag Bilder, die live aus Isfahan kommen sollen
Iranian television will show images on Friday that are supposed to come live from IsfahanAFP

Das State Department schickte Journalisten eigens eine Passage aus einer Pressekonferenz, die der Sprecher Vedant Patel am Donnerstag gegeben hatte. Er umschiffte eine Journalistenfrage nach der angeblichen amerikanisch-israelischen Vereinbarung darin zuerst ausgiebig, um schließlich zu den Berichten zu sagen: „Es stimmt nicht.“ Die USA lehnten einen israelischen Einmarsch in Rafah weiterhin ab, sofern die humanitäre Lage dort in den militärischen Planungen nicht genügend berücksichtigt werde. Das scheint allerdings ein Schritt zurück zu sein – zwischenzeitlich hatten die amerikanischen Äußerungen den Eindruck erweckt, Washington lehne eine Rafah-Offensive gänzlich ab.

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Nach dem massiven iranischen Angriff auf Israel am Sonntag mit mehr als 300 Raketen, Drohnen und Marschflugkörpern hatte Iran sich auf einen Gegenschlag vorbereitet. Die Luftwaffe war in erhöhte Alarmbereitschaft versetzt worden. Ranghohe Offiziere der Revolutionsgarde waren aus Syrien abgezogen worden. Von dort gab es am Freitag Meldungen über mutmaßlich israelische Angriffe auf iranische Stützpunkte.

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Teheran ist darauf bedacht, Normalität zu mimen

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Iran hatte Israel für den Fall eines Gegenschlags mit Vergeltung gedroht. Präsident Ebrahim Raisi sagte, „die kleinste Handlung gegen iranische Interessen wird definitiv durch eine harsche, extensive und schmerzhafte Reaktion gegen alle Täter beantwortet“. Am Freitag schien Teheran jedoch zunächst darauf bedacht, Normalität zu mimen. Offenbar wollte die Führung in Teheran sich zumindest vorerst nicht selbst unter Zugzwang für einen weiteren Vergeltungsschlag setzen.

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Das iranische Staatsfernsehen gab sich alle Mühe, den mutmaßlich israelischen Gegenschlag herunterzuspielen. Es zeigte Livebilder vom Alltagsleben aus der Stadt Isfahan. Unter anderem vom Flussbett des Zayandeh, der anders als zu den meisten Jahreszeiten Wasser trug.

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Der Sprecher der iranischen Cyberspace-Zentrums Hossein Dalirian höhnte, Israel habe den iranischen Angriff vom Sonntag mit drei kleinen Drohnen beantwortet. Dazu postete er auf der Plattform X zwei Tränen lachende Emojis. Die Luftfahrtbehörde beeilte sich auch, die Sperrung der Flughäfen von Teheran und Isfahan und alle Beschränkungen des Luftverkehrs noch am Morgen wieder aufzuheben. Dementiert wurden außerdem Berichte über eine Sondersitzung des Obersten Nationalen Sicherheitsrats.

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Israel kommentierte die Vorfälle zunächst offiziell nicht. Allerdings gab es umgehend Kommentare, die annahmen, dass der Angriff von der israelischen Armee ausgegangen war. Der Minister für nationale Sicherheit, Itamar Ben-Gvir von der ultrarechten Partei „Jüdische Stärke“, schrieb auf X in einem Wort: „Schwach!“ Er gehört zu denjenigen in Israels Regierung, die in den vergangenen Tagen eine massive militärische Reaktion gefordert hatten. Andere Politiker zeigten sich am Freitagmorgen erfreut und stolz.

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