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So kann man sich täuschen! Als Iran zum ersten Mal vom eigenen Territorium aus Israel angriff, und das gleich mit dreihundert Raketen, Marschflugkörpern und Drohnen, hatten wir erwartet, dass Berlin diese Aggression umgehend mit einem Vergeltungsschlag gegen die Mullahs beantworten würde.

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Weil wir eine Superfriedensmacht sind und auch gar nicht über Flugkörper mit der nötigen Reichweite verfügen, hätte unsere Reaktion natürlich nur mit rhetorischen Mitteln erfolgen können. Aber da haben wir ja etwas ganz Großkalibriges im Arsenal, das kein anderer Staat aufbieten kann: die Hyperschall-Erklärung von der Staatsräson, die bei uns auch nur dann aus dem Depot geholt wird, wenn die Sicherheit Israels auf dem Spiel steht.

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Und ist diese jetzt vielleicht nicht gefährdet, da Iran seiner Staatsräson, der Auslöschung Israels, erstmals völlig freien Lauf lässt? Da hätte doch unser ganzer Staat räsonieren müssen, dass in Teheran die Teppiche flattern! Ja, die üblichen Solidaritätserklärungen von der Stange gab es in Berlin. Aber auf die feierliche Wiederholung des Staatsräson-Schwurs, der unseren Spitzenpolitikern zuvor ganz leicht über die Lippen gegangen war, hoffte man vergebens. Nur in der zweiten Reihe wurde etwas in diesem Sinne gemurmelt, auf Nachfrage.

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Helmut Schmidt sprach von einer törichten Übertreibung

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Doch soll man diese Zurückhaltung wirklich tadeln? Oder nicht eher die staatsmännische Besonnenheit loben, die hier nun erkennbar wird? Schon als Angela Merkel mit der Staatsräsoniererei angefangen hatte, sprach Helmut Schmidt, der als der vernünftigste unter den SPD-Kanzlern gilt, von einer törichten Übertreibung. Denn das könne ja bedeuten, dass deutsche Soldaten in einem Krieg gegen Iran mitkämpfen müssten. Gegen eine Fast-schon-Atommacht!

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Dazu wird es hoffentlich nie kommen. Aber vielleicht gönnt Netanjahu sich den Spaß, nimmt das ihn nervende Berlin beim großen Wort und ruft: Hic Rhodus, hic salta! Dann könnte die Ampel dem auch von Scholz abgelegten Schwur nur den Offenbarungseid folgen lassen, weil wir unsere wenigen einsatzfähigen Einheiten schon Richtung Litauen verlegen und unsere restlichen Panzer kaputt, in der Ukraine oder beides sind.

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Da ist die Bundeswehr blanker als blank

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Und bei der Flugabwehr müssten ja wir die Israelis bitten, uns mit ihren Abfangsystemen zu schützen. Denn auch und gerade bei der Luftverteidigung steht die Bundeswehr inzwischen blanker als blank da, weil wir das meiste von dem wenigen, das wir noch hatten, an die schwer bedrängten Ukrainer abgegeben haben.

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Man will sich nicht vorstellen, wie Berlin aussähe, wenn Teheran oder Moskau dreihundert Flugkörper auf unsere Hauptstadt abgeschossen hätten. Frankfurt brauchte in so einem Fall jedenfalls gleich wieder eine neue Altstadt.

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Nein, wir machen hier keine Witze, das ist der bittere Ernst! Schon allein wegen unserer Kriegsuntüchtigkeit könnten wir uns glücklich schätzen, wenn die Israelis erklärten, dass die Sicherheit Deutschlands Teil der israelischen Staatsräson sei. Wir mögen uns zwar auf dem Schlachtfeld der Moral für einen Goliath halten, an dessen Wesen die Welt genesen sollte – der bessere Schleuderer ist nach wie vor David.

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Wie Sahra Wagenknecht die Staatsräson auslegt

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Doch nicht nur gegenüber den Mullahs, auch beim Einwirken auf die israelische Regierung scheinen unsere Möglichkeiten begrenzt zu sein, wie es unsere Außenministerin gerade wieder aus erster Hand erfuhr. Baerbock legt die Staatsräson offenbar genauso aus wie Sahra Wagenknecht, die meinte, diese verpflichte Deutschland auch dazu, „eine außer Kontrolle geratene israelische Regierung zur Räson zu bringen“.

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Man darf annehmen, dass Baerbock das auf ihrer jüngsten Reise nach Jerusalem versucht hat. Die Äußerungen Netanjahus nach dem Gespräch mit ihr deuten allerdings darauf hin, dass ihm die Ratschläge der deutschen Außenministerin glatt am Allerwertesten vorbeigegangen sind. Israel treffe die seine Sicherheit betreffenden Entscheidungen selbst, sagte Netanjahu kühl.

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Höchstwahrscheinlich ist ihm dabei völlig wurscht, was Deutschland zu seiner Staatsräson erklärt. Unser Recht als souveräner Staat bleibt es aber, jeden Satz in den Stand einer Staatsfloskel zu erheben, der uns ein gutes Gefühl verleiht. Und sie nur dann zu verwenden, wenn das folgenlos möglich ist.

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