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23 chinesische Top-Schwimmer sollen nach Medienberichten trotz positiver Dopingtests unbestraft geblieben sein. Den Bericht zufolge habe die Welt-Anti-Doping-Agentur (Wada) in der Sache auf eigene Ermittlungen verzichtet und der Darstellung der chinesischen Behörden vertraut, die verunreinigte Mahlzeiten in einem Athletenhotel als Ursache der Positivtests angab.

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Die mögliche Vertuschung geht aus einem Untersuchungsbericht hervor, den die ARD-Dopingredaktion nach eigenen Angaben im September 2023 erhalten hat und welcher die Grundlage für die Recherche zur Dokumentation „Die Akte China“ aus der Reihe „Geheimsache Doping“ bildet. Der Bericht sei offiziell von der chinesischen Anti-Doping-Agentur CHINADA verfasst worden, als untersuchende Behörde sei aber das Ministerium für öffentliche Sicherheit angegeben, ein Arm des chinesischen Geheimdienstes. ARD und „New York Times“ ließen das Dokument nach eigenen Angaben durch mehrere Quellen verifizieren.

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Demnach sollen die Schwimmerinnen und Schwimmer bei einem nationalen Wettkampf in China Anfang 2021 positiv getestet worden sein. Bei dem Wettkampf in Shijiazhuang soll das verbotene Herzmittel Trimetazidin gefunden worden sein – die Substanz, wegen der die russische Eiskunstläuferin Kamila Walijewa im Januar für vier Jahre gesperrt wurde.

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Bei Olympia in Tokio gewann das 30-köpfige chinesische Team dann sechs Medaillen, darunter dreimal Gold. 13 der mutmaßlich positiv getesteten Chinesen gewannen Medaillen in fünf Wettbewerben, darunter die spätere Doppel-Olympiasiegerin Zhang Yufei sowie die ebenfalls in Tokio siegreichen Wang Shun und Yang Junxuan.

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Trimetazidin im Dunstabzug

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Dem von China vorgelegten Bericht zufolge seien die positiven Proben durch Kontamination zustande gekommen. In einer Hotelküche in Shijiazhuang sei für sämtliche betroffenen Athleten Essen gekocht worden. Aus dem Report gehe hervor, dass mehr als zwei Monate später Ermittler die Küche inspiziert und dabei Spuren von Trimetazidin im Dunstabzug, an Gewürzcontainern sowie im Abfluss gefunden hätten.

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Demnach sei das Dopingmittel ohne das Wissen der Athletinnen und Athleten in deren Körper gelangt. Die chinesische Anti-Doping-Agentur erklärte, dass „keine Anti-Doping-Verstöße“ vorgelegen hätten und somit kein Handlungsbedarf bestanden habe.

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Auf ARD-Anfrage teilte die Welt-Anti-Doping-Agentur Wada mit, sie habe auf Basis der Analysedaten „keine Grundlage“ gesehen, die „Erklärungen der Kontamination anzufechten“. Die Wada habe sich an ihr Regelwerk gehalten. Der Welt-Schwimm-Verband teilte mit, die Vorgänge seien sorgfältig und professionell geprüft worden. Man habe daher nichts weiter unternehmen müssen.

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Der forensische Toxikologe und Pharmazeut Fritz Sörgel stellte die Schilderungen aus dem chinesischen Bericht für die ARD nach und urteilte, es sei „extrem unwahrscheinlich“, dass sich die Ereignisse wie geschildert abgespielt hätten.

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„Messer im Rücken aller sauberen Athleten“

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Travis Tygart, Chef der US-Anti-Doping-Agentur USADA, sprach gegenüber der ARD-Dopingredaktion von „schockierenden Enthüllungen“ und einem „Messer im Rücken aller sauberen Athleten“. Der Fall rieche „nach Vertuschung auf den höchsten Ebenen der Welt-Anti-Doping-Agentur“.

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Sportrechtler Thomas Summerer führte gegenüber der ARD eklatante Versäumnisse der Anti-Doping-Behörden an: „Es lag auf der Hand, dass ein Anti-Doping-Verstoß vorliegt, und so hätte man diesen auch behandeln müssen seitens der chinesischen Anti-Doping-Agentur“.

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