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Wenn der bayerische Ministerpräsident Markus Söder zur großen historischen Einordnung ansetzt, kann es heikel werden. So geschehen bei der Feier zu 75 Jahre Verfassungskonvent von Herrenchiemsee, wo er so tat, als sei das Grundgesetz auf bayerischem Mist gewachsen. Oder beim Festakt zu hundert Jahre Freistaat Bayern, als er den Namen des Sozialisten Kurt Eisner unterschlug – immerhin Bayerns erster Ministerpräsident.

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Am Donnerstag war es wieder mal so weit. Aus Anlass der Vorstellung des Buches „Die Bayerischen Ministerpräsidenten 1918–2018“, herausgegeben vom Augsburger Geschichtsprofessor Rainald Becker, kam Söder die Aufgabe zu, im Kuppelsaal der Staatskanzlei die Bedeutung seiner Vorgänger ins rechte Licht zu rücken.

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Und siehe da: Er erwähnte Kurt Eisner nicht nur, sondern bescheinigte ihm „eine nie zu unterschätzende Rolle“ für den Freistaat. Doch damit nicht genug: Er nannte auch den einzigen bayerischen Ministerpräsidenten nach dem Zweiten Weltkrieg, der nicht der CSU angehörte, den Sozialdemokraten Wilhelm Hoegner, beim Namen. Dieser sei „ein großer Mann“ gewesen – und der „Vater der bayerischen Verfassung“, die „eine der schönsten Verfassungen“ sei.

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Markus Söder und das Land des „Dramas“

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Söder widerstand der Versuchung, die Ministerpräsidenten, von denen eh jeder weiß, dass er sie neben sich selbst für die größten hält – Strauß und Stoiber –, zu sehr zu loben. Stattdessen hob er die Verdienste eines Max Streibl hervor. Auch für seinen unmittelbaren Vorgänger Horst Seehofer, der, obschon eingeladen, nicht da war, hatte Söder warme Worte übrig. Es werde etwa viel zu wenig beachtet, dass Seehofer das einst schwierige Verhältnis zur Tschechischen Republik „auf neue Füße“ gestellt habe.

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Bekanntermaßen war der Übergang von Seehofer zu Söder nicht frei von Schmutzeleien. Das gilt allerdings für fast alle Übergänge der jüngeren bayerischen Geschichte. Söder verschwieg das nicht, sah darin aber die Erfüllung einer Erwartung. Bayern sei halt ein Land des „Dramas“ und der „großen Gefühle“. Es war an Edmund Stoiber, auf die in der Verfassung erwähnte „mehr als tausendjährige Geschichte“ Bayerns hinzuweisen, was den Historiker Becker eingestehen ließ, er selbst sei aus Nordrhein-Westfalen, „da kann man natürlich schwer von einer tausendjährigen Geschichte sprechen“.

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