Die Hilfsorganisation „SOS Humanity“ hat bei zwei Einsätzen im zentralen Mittelmeer insgesamt 100 Menschen aus Seenot gerettet. Beide Rettungseinsätze erfolgten am Montag, wie die Organisation mitteilte.

Am Vormittag wurde die Besatzung der „Humanity 1“ den Angaben zufolge von der zivilen Notfallhotline Alarmphone über ein Boot in Seenot in internationalen Gewässern vor der libyschen Küste informiert. Die „Humanity“ habe Kurs auf die letzte bekannte Position des Bootes genommen und es mittags gefunden. Es habe sich um ein völlig überbesetztes Schlauchboot mit 82 Menschen an Bord gehandelt, das manövrierunfähig und ohne Rettungsmittel auf dem offenen Meer getrieben habe. Die Besatzung habe umgehend Rettungsmaßnahmen eingeleitet und die Menschen an Bord der „Humanity 1“ genommen.

Noch während der ersten Rettung sei der Besatzung ebenfalls von Alarmphone ein zweiter Seenotfall in unmittelbarer Nähe gemeldet worden. Die Crew des Rettungsschiffes entdeckte kurze Zeit später „das kleine, überbesetzte Kunststoffboot mit 18 Menschen an Bord“. Die „Humanity 1“ nahm auch diese Überlebenden an Bord.

Mittelmeer gehört zu den gefährlichsten Fluchtrouten weltweit

Etwa die Hälfte der Geretteten seien minderjährig, darunter auch mehrere Kleinkinder und Babys. Ein Großteil der Minderjährigen ist den Angaben zufolge unbegleitet. Auch zahlreiche Frauen, darunter mehrere Schwangere, gehörten zu den Überlebenden. Mehrere Menschen leiden laut „SOS Humanity“ unter starker Seekrankheit und Hautverbrennungen.

Die italienischen Behörden wiesen der „SOS Humanity“ den Hafen von Livorno zu, fast 1200 Kilometer entfernt vom Ort der Rettung. Das bedeute mindestens drei Tage Fahrt. Die Hilfsorganisation warf den Behörden vor, „wissentlich das im Seerecht verbriefte Recht der Überlebenden auf eine schnelle Ausschiffung“ zu verletzen. Der Kapitän habe die italienische Rettungsleitstelle daher umgehend um die Zuweisung eines näheren Hafens gebeten.

Das Mittelmeer zählt zu den gefährlichsten Fluchtrouten weltweit. 2023 kamen nach Angaben der Internationalen Organisation für Migration (IOM) mindestens 3105 Menschen bei der Überfahrt ums Leben oder sie werden vermisst. Seit Beginn des Jahres liegt die Zahl der erfassten Toten und Vermissten bei mindestens 817. Die Dunkelziffer ist wahrscheinlich höher.

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