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Paul Fernie kennt sehr viele Fußballplätze und noch mehr Fußballspieler in Europa und darüber hinaus. Die letzten 17 seiner 37 Lebensjahre hat er damit verbracht, die Profifußballwelt von allen Seiten zu durchdringen. Der Engländer war in seiner Karriere schon Jugendtrainer, Assistenztrainer, Analyst, (Chef-)Scout und Sportlicher Leiter.

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Letzteres war er in den vergangenen knapp drei Jahren beim SV Wehen Wiesbaden (SVWW) und wird es laut Vertrag in den kommenden drei Jahren bis Mitte 2027 beim SV Darmstadt 98 sein. Vom Stadion des Zweitliga-Abstiegskandidaten SVWW zur Arena des designierten Bundesliga-Absteiger SVD sind es nur 45 Kilometer, für Fernie ist der innerhessische Wechsel freilich ein Aufstieg.

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Auch wenn er bei seiner Vorstellung am Dienstag in Darmstadt durchblicken ließ, dass ihm bei den Umständen seines Abgangs beim SVWW nicht ganz wohl ist. Hört man sich bei Wehen Wiesbaden um, ist von großem Unverständnis und Enttäuschung die Rede, dass Fernie diesen Schritt im zugespitzten Abstiegskampf kurz vor Saisonende geht. „Ich hatte mir mein Ende dort auch anders vorgestellt“, sagte der Brite, der beim SVWW von 2016 bis 2019 als Chefscout die ersten Auslandserfahrungen sammelte und zuletzt in verantwortlicher Rolle des Sportlichen Leiters den Zweitligaaufstieg erreichte.

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Die „Lilien“ mussten die Stelle neu besetzen, nachdem zum Jahresende Carsten Wehlmann überraschend gekündigt hatte. Dass damals die „Lilien“ und nun die Wiesbadener die Geschädigten sind, beurteilt Rüdiger Fritsch so: „Das ist das Fußballgeschäft, da ist das Hemd näher als die Hose.“ Man habe „nichts Unlauteres getan“, sagte der SVD-Präsident, weil Fernies Vertragskonstellation dies ermöglicht habe.

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Fernie erbt nun das vom Zuschnitt unveränderte Ressort von Wehlmann, der sich in dieser Rolle mehr Gestaltungsspielraum gewünscht haben soll. Mit Fritsch und Tom Eilers, Präsidiumsmitglied für den Lizenzspielerbereich, gibt es zwei weitere einflussreiche Größen. Fernie, den es vom Naturell her auf offener Bühne nicht in die erste Reihe drängt, betrachtet seine neue Aufgabe als „Riesenchance, meine Ideen umzusetzen. Die Kaderplanung hat nun Priorität, da gibt es Zeitdruck.“

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Neben 17 Profis im Kader mit über das Saisonende hinaus bestehenden Verträgen, laufen 17 weitere Arbeitspapiere (darunter sechs Leihspieler) nun Ende Juni aus. Auch die Folgen der Hiobsbotschaft, dass sich Kapitän Fabian Holland gegen Freiburg einen Kreuzbandriss zugezogen hat, betrifft nun Fernies Aufgabengebiet.

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„Ich habe schon mit viel Geld und mit relativ wenig Geld gearbeitet“, erzählte Fernie in Anspielung auf seine zweijährige Anstellung im New Yorker Redbull-Fußballkosmos zwischen seinen zwei Wiesbadener Engagements. Neben Fernies in jahrelanger Arbeit aufgebauten Netzwerk eine Fähigkeit, welche die Darmstädter schätzen. „Es gilt mit unseren Mitteln und unserer Substanz auszukommen und das Beste daraus zu machen“, sagte Fritsch. Fernies beim SVWW dahingehend gezeigte Qualitäten haben die Darmstädter jedenfalls überzeugt.

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